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Erstaunliche Parallelen

Wie steht es mit der Gleichstellung und der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Oman? Unser «Blick über die Grenze» zeigt, dass die Situation in vielem ähnlich ist wie in der Schweiz. In manchem ist das wohlhabende, traumhaft schöne Land am Persischen Golf der Schweiz sogar um eine Nasenlänge voraus.

Oman zählt eine Gesamtbevölkerung von gut 4 Millionen Menschen. Wie viele davon Menschen mit Behinderungen sind, weiss niemand so genau. Es kursieren die verschiedensten Zahlen zwischen rund 40’000 und über 90’000. Vor allem aber fällt eines auf: Omanische Fachleute, die sich mit dem Thema «Behinderungen» befassen, zählen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nirgendwo mit.

Das Sultanat Oman hat die UNO-Behindertenrechtskonvention 2008 unterzeichnet und 2009 ratifiziert, also einige Jahre eher als die Schweiz. Seither ist im Bereich der Gesetzgebung einiges gelaufen. Oman hat ein Behindertengesetz und, darauf aufbauend, zahlreiche Erlasse und Verfügungen, die zur Umsetzung des Gesetzes dienen. Dennoch fehlt es - wie in der Schweiz - bis heute an einer nationalen Behindertenpolitik und einem Aktionsplan. Sheika al Jassasi, sehbehinderte Aktivistin in der omanischen Behinderten-Selbsthilfe, stellt denn auch fest: «Die Formulierung einer umfassenden nationalen Behindertenpolitik und eines Aktionsplans wäre das Gebot der Stunde.»

Positive gesetzliche Ansätze…

Die omanische Gesetzgebung garantiert Menschen mit Behinderungen das Recht auf Bildung und Arbeit, auf angepasste berufliche Rehabilitation und Unterstützung auf dem Arbeitsmarkt. Explizit ist ihnen auch das Recht auf gleiche Chancen wie Mitarbeitenden ohne Behinderungen garantiert. Zudem sind Verwaltungsstellen und private Unternehmen, die mehr als 50 Mitarbeitende beschäftigen, dazu verpflichtet, mindestens 2% der Stellen mit Menschen mit Behinderungen zu besetzen und diesen bei gleicher Qualifikation den gleichen Lohn wie Menschen ohne Behinderungen zu bezahlen.

Gesetzlich verankert ist auch das Recht auf hindernisfreien Zugang im öffentlichen Raum und im öffentlichen Verkehr. Volle Teilhabe am sozialen, kulturellen und sportlichen Leben sieht das Gesetz ebenfalls vor. Und schliesslich hat jeder Mensch mit Behinderungen in Oman das Recht auf finanzielle Unterstützung und auf einen Behindertenausweis, mit dem Ansprüche auf behindertenspezifische Leistungen geltend gemacht werden können.

Positive Wirkung haben zweifellos die rund 40 Behindertenzentren im ganzen Land. Sie unterstützen Menschen mit Behinderungen darin, selbständig zu leben und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dennoch merken kritische Stimmen an, dass es den Zentren an Professionalität fehle, weil sie sich zu sehr auf freiwillige Mitarbeitende ohne entsprechendes Know-how verliessen.

Zentrales Gremium ist das Nationale Komitee für Menschen mit Behinderungen. Den Vorsitz führt der Minister für soziale Entwicklung; Mitglieder des Komitees sind Vertreter/-innen anderer Ministerien und der Privatwirtschaft, aber auch Menschen mit Behinderungen und Vertreter/-innen von Behindertenzentren. Die Aufgabe des Komitees ist es, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu identifizieren und zu bearbeiten, aber auch, die Sensibilität der breiten Bevölkerung für die Thematik zu erhöhen.

… aber die Umsetzung verläuft zögerlich

Das Erziehungsministerium hat zwar grosse Anstrengungen unternommen, um Kinder mit Behinderungen ins öffentliche Schulsystem zu integrieren. In rund 200 Schulen im ganzen Land bestehen spezifische Integrationsprogramme für Kinder mit Lernschwierigkeiten und besonderen Bedürfnissen. Im Berufsbildungs- und im Tertiärbildungsbereich fehlt es aber bisher an geeigneten Massnahmen, um Jugendlichen mit Behinderungen den Weg ins Arbeitsleben und/oder zu höherer Bildung zu öffnen. Nicht viel besser sieht es im Bereich Arbeit aus: Noch immer sind Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt unterrepräsentiert. Während sich die Verwaltung mehr oder weniger an die 2%-Klausel hält, tut sich die Privatwirtschaft - wie in der Schweiz - schwer damit, Menschen mit Behinderungen einzustellen. 2014 beschäftigte sie gerade mal 1’508 Personen (davon 214 Frauen) mit Behinderungen.

Die Hindernisfreiheit beschränkt sich vor allem auf die Hauptstadt Muscat. Verwaltungsgebäude, Schulen, die Universität, Hotels, Restaurants, Einkaufszentren usw. verfügen über entsprechende Vorrichtungen, Aufzüge oder Parkplätze. Dies gilt jedoch nur für neuere Gebäude; schon im Mutrah-Souk, um nur ein Beispiel unter vielen anderen historischen Orten im Lande zu nennen, wird es für Menschen mit Geh-, Seh- oder Hörbehinderungen schwierig, sich zurechtzufinden. Der Unterschied zwischen der Hauptstadt und dem Rest des Landes ist immer noch gross; dort ist es auch heute noch nicht leicht, mit Behinderungen zu leben.

Auch der öffentliche Verkehr in Oman hat sich noch nicht wirklich für Menschen mit Behinderungen eingerichtet. Man mag sagen, dass das in diesem Land, wo der öffentliche Verkehr ausschliesslich aus Bussen und (Sammel-)Taxis besteht und wo die meisten Leute ein oder mehrere Autos besitzen, eine geringe Rolle spielt. Trotzdem ist es stossend, dass Menschen mit Behinderungen bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel meist auf die Hilfsbereitschaft und das Improvisationstalent ihrer Mitbürger/-innen angewiesen sind. Immerhin, ein Trost bleibt: Die meisten Moscheen des Landes sind hindernisfrei zugänglich und nutzbar. Shamsa al Harthy, Direktorin der Abteilung für Verbände und Gesellschaft im Ministerium für Soziale Entwicklung, sieht denn auch die Würdenträger der Moscheen in einer zentralen Rolle: «Die Religion spielt in unserem Land eine zentrale Rolle bei gesellschaftlichen Veränderungen. Es ist höchste Zeit, die religiösen Führer zu engagieren, wenn wir die Stereotypen über Menschen mit Behinderungen aus der Welt schaffen wollen. Sie sind in der Lage, Rat zu geben, Informationen zu verbreiten und eine gesündere und hilfreichere Haltung gegenüber Menschen mit Behinderungen zu fördern. Das alles mit dem Ziel, Oman zu einem idealen Ort und Modell für Menschen mit Behinderungen zu machen.»

Suzanne Auer
Zentralsekretärin, AGILE.CH