Behinderte und öffentlicher Verkehr: Informationen und Neuerungen per Fahrplanwechsel 12.12.2011

1. Der sachgerechte Gebrauch der Tel.-Nr.
0800 181 181 der SBB

Die SBB-Nr. 0800 181 181 hat 2 ganz unterschiedliche Funktionen bzw. führt zu 2 verschiedenen «SBB-Services», d.h. nach Eingabe des Sprachcodes gibt es hier eine 'Verzweigung' zu verschiedenen SBB-Dienstabteilungen:

2. Die Tel.-Nr. 0800 007 102 des SBB-Callcenters Handicap in Brig

Die Gratis-Telefonnummer 0800 007 102 der SBB dient der Organisation von Ein-, Aus- und Umsteigehilfen bei rund 170 Stützpunktbahnhöfen in der Schweiz (täglich 6 – 22 Uhr).

Hinweis 1: Für diese 170 Stützpunktbahnhöfe werden bisher leider keine Umsteigehilfen vermittelt z.B. vom Zug zum Postauto auf dem Bahnhofplatz oder umgekehrt, obwohl eine behinderte Person – trotz ihrer Begleiterkarte – längst nicht immer eine Begleitperson zur Verfügung hat.

Hinweis 2: Die 10 «Bahnhofhilfen Schweiz» (vgl. das hier beigefügte, aktualisierte Verzeichnis) sind da ‚etwas grosszügiger': Wenn man sie direkt anruft, organisieren sie eine solche Umsteigehilfe in der unmittelbaren Umgebung dieser Bahnhöfe (etwa vom Postauto, Bus oder Tram zum Zug und umgekehrt, aber nur bei diesen noch 10 Bahnhöfen und nur im Rahmen ihrer wesentlich eingeschränkteren Dienstzeiten gemäss diesem Verzeichnis).

3. Informationen zum «GA Behinderte»

Das «GA Behinderte» kostet auch nach dem Fahrplanwechsel 12.12.2011 weiterhin CHF 2'200.—, während das «GA Senior» um CHF 50.— auf neu CHF 2'600.— und das «GA Erwachsene» ebenfalls um CHF 50.— auf neu CHF 3'350.— aufschlägt (alle Preisangaben für 2. Klasse pro Jahr).

Ein «GA Behinderte» können nur Personen im IV-Alter erwerben, die:

GA bei Übertritt ins AHV-Alter

Beim Übertritt ins AHV-Alter kann weiterhin ein «GA Behinderte» beansprucht werden, wenn es erstmals schon im IV-Alter und danach ununterbrochen weiterhin bezogen wurde (Besitzstandswahrung).

Für Personen, die im IV-Alter ein «GA Behinderte» besassen, dann – infolge Uebertritt ins AHV-Alter und der bisherigen Regelung ein «GA Senior» kaufen mussten und nun wieder ein «GA Behinderte» lösen möchten ist gemäss Tarifmanagerin T654 «Kulanz anzuwenden und wieder ein GA Behinderte zu verkaufen». Dabei wird der Tarif nicht angepasst und das als Einzelfall behandelt.

4. Die Begleiterkarte im allgemeinen und in besonderen Fällen:

A) für Bahnreisen ins Ausland von Blinden/Sehbehinderten und /Personen im Rollstuhl (vgl. unten unter B), speziell lit. b)

Hinweis 1 zur notwendigen Fahrkarte: Zur «Ausweiskarte für Reisende mit einer Behinderung» der SBB (der sog. ‚Begleiterkarte') braucht es im Inland immer 1 gültigen Fahrausweis (seit 1989 der behinderten Person oder der Begleitperson, das kann z.B. auch das GA der Begleitperson sein); für die andere Person (+ einen allf. Führhund) gilt dann die Begleiterkarte als 'Fahrausweis'. Man kann aber nicht die Begleiterkarte mit einer Juniorkarte oder einer Enkelkarte kombinieren (denn die gelten nicht als 'selbständige Fahrausweise', sind sie doch ihrerseits nur in Kombination mit der Fahrkarte einer erwachsenen Person gültig).

Hinweis 2 zum Geltungsbereich: Die Begleiterkarte gilt im Inland verbindlich beim gesamten «Direkten Verkehr», d.h. überall dort, wohin man ein sog. 'durchgehendes Billett' kaufen kann (Bahnen, Postautos, aber auch Busse und Trams in den Städten, denn auch die Tarifverbunde gehören dazu). Die übrigen Transportunternehmungen (vor allem Bergbahnen und auf kleineren Seen) können sie entgegenkommenderweise anerkennen, sodass man dort freundlich darnach fragen kann.

A) Spezielles zu Bahnreisen ins Ausland von Blinden/Sehbehinderten und Personen im Rollstuhl:

Jeder Behindertenausweis ist nur im Ausstellungsland gültig (daher im Ausland nur die Fahrkarten vorweisen). Hier gilt daher:

a) Die behinderte Person muss in der Schweiz für sich selber eine 'normale Fahrkarte' für Hin- + Rückreise lösen (kann auch eine Rundreise oder nur eine Hin- oder Rückreise sein, die Fahrkarte muss aber spätestens ab der Landesgrenze beginnen bzw. darf frühestens dort enden).

b) Wer auf seiner Begleiterkarte (S. 1 unten) diesen dunkelblauen Kleber mit dem dreisprachigen Vermerk «berechtigt gemäss Tarif TCV 710.12» hat (d.h. Blinde, Sehbehinderte sowie Personen im Rollstuhl; der Ausweis mit diesem Vermerk ist am Schalter vorzuweisen): Für die Begleitperson gleichzeitig für die identische Strecke und Wagenklasse einen «zweiten internationalen Fahrausweis mit 100 % Ermässigung» (= zum Nulltarif) lösen mit dem Vermerk für Blinde bzw. Sehbehinderte «Blindenbegl.» und für Personen im Rollstuhl «Rollstuhlbegl.» (mit einer schweiz. Begleiterkarte nur in der Schweiz möglich, mit einem deutschen Schwerbehindertenausweis z.B. in die Schweiz nur in Deutschland etc.). Dazu folgendes:

5. Reduzierte Tarife für öV-Transport von Tandems für Behinderte

Der öV-Transport eines Tandems (oder eines anderen Spezialvelos) für Behinderte kostet bisher den doppelten Preis eines Einzelvelos (weil es nicht in die dortigen Aufhängevorrichtungen passt), was viele Behinderte als sehr 'ungerecht' empfanden. Daher haben wir – unterstützt von 9 weiteren Behinderten-Organisationen – im Okt. 2009 bei «ch-direct» eine entsprechende Eingabe unter Verweis auf das Diskriminierungsverbot im Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) gemacht.

Nun sehen die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Gepäcktarifes T601 folgendes vor:

A) Für den Selbstverlad von Fahrrädern:

a) Unter Ziff. 50.21: Für Personen mit Begleiterkarte gilt hier neu Preisstufe 1.

b) «Preisstufe 1» heisst für Inhaber eines GA oder Halbtax-Abos oder Kinder 6 – 16 Jahre:

c) Ziff. 62.00: Für Fahrrad-Platzreservierung im ICN neu nur noch CHF 5.– (wie für ein gewöhnliches Fahrrad; hier gilt gem. Ziff. 50.1 für Fahrräder nämlich eine «obligatorische Platzreservierung in allen ICN-Zügen vom 21. März – 31. Oktober»).

B) Beförderung von Reisegepäck, hier nur «Fahrrad» bzw. «Spezialfahrrad» relevant:

a) Vgl. Ziff. 60.00: Der Transport eines «Spezialfahrrades» kostet weiterhin CHF 32.– (pro Fahrweg, dafür neu für CHF 4'000.– versichert), für Inhaber einer Begleiterkarte neu nur noch CHF 16.– (wie für ein gewöhnliches Fahrrad).

b) Auswirkung an einem Beispiel: Plusport Behindertensport Schweiz muss für den Versand eines Miet-Tandems an eine behinderte Person CHF 32.— bezahlen, die behinderte Person für den Rücktransport aufgrund ihrer Begleiterkarte aber nur CHF 16.— (in diesem Punkt erzielten wir leider nur einen 'halben Erfolg').

6. Einstellung des Fahrkartenverkaufs auch in den Fernzügen ab Fahrplanwechsel 11.12.2011 und die Konsequenzen für behinderte Reisende

Ab dem Fahrplanwechsel vom 11.12.2011 werden auch in den Fernzügen keine Fahrkarten mehr verkauft. Wer dann ohne gültige Fahrkarte einsteigt, bezahlt bei einer Kontrolle einen Zuschlag.

Gemäss Tarif 600.5, Ausgabe vom 11.12.2011, Ziff. 11.24 bzw. 12.34: «Unbeholfene und verwirrte Personen sowie Personen mit einer starken Behinderung, denen die Bedienung eines Billettautomaten nicht zugemutet werden kann (z.B.: Blinde, Behinderte im Rollstuhl, motorisch und geistig Behinderte), haben den Zuschlag nicht zu bezahlen.

Diese Ausnahmebestimmungen gelten NICHT:

Bei diesen Ausnahmebestimmungen fallen unter «Blinde» auch alle Sehbehinderten, die die Begleiterkarte aufgrund ihrer Sehbehinderung erhalten haben.

Quelle: Schweizerischer Blindenbund (Auszug)

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