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Mehrfache Diskriminierung

Noch kaum erforscht, aber dennoch eine Tatsache: Frauen mit Behinderungen sind mindestens doppelt diskriminiert. Die Studie von Olga Manfredi, rollstuhlfahrende Juristin,und Helen Zimmermann, erblindete Sozialwissenschaftlerin, bringt ernüchternde Ergebnisse.

In ihrer im Frühling erschienenen Studie «Frauen mit Behinderung in Bildung und Arbeit - einen Steinwurf von der Gleichstellung entfernt?» beleuchten Olga Manfredi und Helen Zimmermann die aktuelle Situation von Frauen mit Behinderungen in der Deutschschweiz. Das Thema wurde bisher in der Wissenschaft und in der Sozialpolitik kaum aufgebracht und auch nicht systematisch untersucht.

Ein fundiertes Werk

Manfredis und Zimmermanns Untersuchung zeigt die sozialwissenschaftlichen, rechtlichen und statistischen Grundlagen auf. Kernstück des Werks bilden die Ergebnisse der Befragungen von Frauen mit Behinderungen, IV-Stellen sowie ausgewählten Berufsschulen und Institutionen von Menschen mit Behinderungen.

Wissenschaftlich sauber aufgebaut, liefert die Studie die nötige Theorie, lässt aber auch die Befragten - «Expertinnen in eigener Sache» - ausgiebig zu Wort kommen. Die zahlreichen Zitate lockern den Text angenehm auf. Sie veranschaulichen eindrücklich, wie steinig die Wege in der Welt der Bildung und der Arbeit für Frauen mit Behinderungen noch immer sind. Viele der Zitate stimmen mehr als nur bedenklich: «In der Klasse hiess es: Dich können wir in unserer Gruppe sicher nicht brauchen, du bist viel zu langsam.», «Als ich meinen Berufswunsch erwähnte, meinte man sofort: Das schaffst Du in deinem ganzen Leben nie.», «Das Telefon kannst Du bedienen, sagte der Vorgesetzte. Aber direkten Kontakt mit den Leuten haben geht nicht. Es brauchen nicht alle zu sehen, dass bei uns eine Behinderte arbeitet.»

Diskriminierung allüberall

Die empirische Untersuchung kommt zum Schluss, dass alle befragten Frauen Mehrfachdiskriminierung erlebten. Zum Teil gingen die Diskriminierungen so weit, dass sie auch im juristischen Sinne als Verletzung von Gleichheitsansprüchen zu werten sind. Die Palette der Diskriminierungen ist breit: Sie reicht von fehlendem Wissen über die Lebenssituationen von Frauen mit Behinderungen, über geschlechtsspezifische Lohnungleichheit, die sich im Falle von Frauen mit Behinderungen noch verstärken kann, bis zu fehlendem hindernisfreiem Zugang zu Bildung und Arbeit.

Bleibt zu hoffen, dass die Empfehlungen der beiden Autorinnen auf fruchtbaren Boden fallen. Sie regen an, Forschung, Selbstvertretung, Wissenstransfer und Bewusstseinsbildung zu intensivieren. Als konkrete Handlungsansätze sehen sie Vorbilder, Stärkung des Selbstvertrauens, Rehabilitation, hindernisfreien Zugang, Stärkung der Familienvereinbarkeit sowie Unterstützung, Begleitung und Schulung der Schlüsselpersonen. Auf dass Olga Manfredis und Helen Zimmermanns Wunsch in Erfüllung gehe: «Die Erkenntnisse der Studie sollen dazu beitragen, …, dass eine effektive und umfassende Gleichstellung von Frauen mit Behinderung eines Tages Wirklichkeit wird.»

Suzanne Auer
Zentralsekretärin, AGILE.CH

Olga Manfredi/Helen Zimmermann, Frauen mit Behinderung in Bildung und Arbeit - einen Steinwurf von der Gleichstellung ­entfernt? Eine Studie über die aktuelle Situation in der ­Deutschschweiz, Verlag an der Reuss, Luzern 2016, CHF 28.00, ISBN 978-3-905861-10-5