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Ein Mann für alle Fälle

Er unterrichtet das Fach Werken, baut Häuser um, schafft Kunstwerke. Georg Jirasek führt ein kreatives Berufsleben und ist in der Freizeit ein begeisterter Segler. Schöner geht nicht, sollte man meinen. Wenn da nur dieses eine Problem nicht wäre: der jahrzehntelange Kampf gegen äusserst schmerzhafte Migräneattacken. Ein Arbeitstag im Leben von Georg Jirasek.

5.45 Uhr. Ist heute ein Migräne-Tag? Oder ein ruhiger Tag? Georg Jirasek hat heute einen halb-ruhigen Tag. Die Kopfschmerzen sind nur leicht. Jirasek macht sich bereit und fährt mit dem Auto von seinem Wohnort Seewil, am Rande des Berner Seelands gelegen, an seinen Arbeitsort Ittigen bei Bern. Er unterrichtet dort am Oberstufenzentrum seit rund vier Jahren mehrere Klassen im Fach Werken. Jeden Tag, ausser am Mittwoch, an dem er nur alle 14 Tage arbeitet, erteilt er zwischen zwei und sechs Lektionen.

«Unterrichten macht Spass»

Kurz vor 7 Uhr. Georg Jirasek trifft in der Schule ein. Sein Unterrichtsraum liegt im Kellergeschoss, hat aber trotzdem schön grosse Fenster. Ausgerüstet ist er mit allen Werkzeugen, die man für die Holz- und Metallbearbeitung und fürs Töpfern braucht: Bohrer, Schleifgeräte, Sägen, Schraubenzieher und vieles mehr. Sogar ein Brennofen für Ton ist vorhanden. Noch kurz den Unterricht vorbereiten, dann trudelt nach halb 8 Uhr die erste Klasse ein, acht Jungen und ein Mädchen.

Das Mädchen fertigt ein Flugzeug aus leichtem Holz, zwei Jungen konstruieren eine Uhr, die andern versuchen sich an Kerzenständern aus Ton. Jirasek hat sie alle im Auge, hilft weiter, erklärt mit viel Geduld und spricht die Jugendlichen in kollegialer, überhaupt nicht lehrerhafter Art an. Es ist zu spüren, was er dann auch in Worten ausdrückt: «Das Unterrichten macht mir Spass. Es ist ganz etwas anderes als alles, was ich bisher gemacht habe.» Er lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als einer der Schüler nach Handschuhen verlangt, weil er sich beim Töpfern die Hände nicht schmutzig machen will. Ein anderer Schüler rührt mit einem Schraubenzieher Farbe in einer Büchse um. Als Jirasek ihm sagt, dass er das nicht tun sollte, entgegnet der Schüler: «Aber das haben Sie mir doch so gezeigt!», was die ganze Klasse mitsamt dem Lehrer in Gelächter ausbrechen lässt.

Ein bewegtes Leben

9.00 Uhr. Eine Freistunde ist fällig. Georg Jirasek gönnt sich einen Kaffee und geniesst es sichtlich, sich entspannen zu können. Er erzählt aus seinem Leben, mit dem man locker ein spannendes Buch füllen könnte.

Geboren ist er 1958 in der ehemaligen Tschechoslowakei. Als er knapp 10-jährig war, wurde sein Vater nach Ägypten versetzt, um bei der Einrichtung eines Spitals mitzuarbeiten. Jirasek erinnert sich an die Zeit in Kairo mit fotografischer Genauigkeit: an die Wochenend-Picknicks bei den Pyramiden, an die wohlproportionierten altägyptischen Statuen, an die fürsorglichen und sympathischen Ägypter. Oft spielte er mit den Kindern der Aufseher bei den Pyramiden. Sie klauten ihren Vätern jeweils die Schlüssel und zeigten dem kleinen Georg Fundstücke, die sonst niemand je gesehen hat. Noch heute leuchten seine Augen, wenn er davon erzählt.

1969 dann der Einschnitt: Es war die Zeit nach dem gewaltsam unterdrückten Prager Frühling, die Tschechoslowakei fiel zurück in die Diktatur. Statt in den Sommerferien nach Hause zu fliegen, nutzte Familie Jirasek die Gelegenheit und setzte sich in die Schweiz ab. Anfangs sprach Georg kein Wort Deutsch, aber auch als er der Sprache mächtig war, ging er nicht so gern zur Schule, wie er gesteht. In Biel machte er eine Lehre als Maschinenzeichner und studierte im Anschluss Maschinenbau. Und er wurde in der Gemeinde Nidau eingebürgert.

Am Bieler See entdeckte Jirasek seine Liebe zum Segeln. Er hat alle Scheine gemacht und ist ein erprobter Seemann. Auf einem Segeltörn lernte er seine Frau Iris kennen, mit der er zwei mittlerweile 27- und 25-jährige Töchter hat. Als sein Schwiegervater sich mit dem Gedanken trug, sein Geschäft aufzugeben, zeigte sich, dass er keinen Nachfolger dafür hatte. So lernte Jirasek kurzerhand die Berufe des Schreiners und des Zimmerers und besuchte die Holzfachschule. Anfangs führte er seinen Betrieb erfolgreich und beschäftigte über Jahre hinweg fünf Angestellte und jeweils zwei Lernende.

Mehr als nur ein Wermutstropfen

Bei allem beruflichen Erfolg und Zufriedenheit im Privatleben, ein Problem trug Jirasek stets mit sich: Seit er 16 Jahre alt ist, kämpft er gegen Migräneattacken, die mit den Jahren immer heftiger wurden. Woran er genau erkrankt ist, ist auch heute – nach über 40 Jahren – unklar. Jirasek versuchte, alles Mögliche dagegen zu tun, schluckte jahrelang Medikamente, probierte vom Handauflegen bis zur Akkupunktur alles aus. Oft sind die Attacken so stark, dass er nicht mehr weiss, was er tut, und einen völligen Blackout hat. Einmal ist er im Winter mitten in der Nacht aus dem Bett gestiegen und im Pyjama aus dem Haus gegangen. Zwei Stunden hat er im Schnee gelegen, bis seine Frau ihn fand. Jirasek sagt denn auch: «Ich habe Bedauern mit meiner Frau. Sie hat sehr zu kämpfen. Und schlimm ist auch, dass ich böse und verbal aggressiv werde, wenn ich eine Attacke habe.»

Es gibt Zeiten, in denen Jirasek tagtäglich unter seinen Migräneattacken leidet. Dann wieder hat er Phasen, in denen er eine Woche lang Ruhe hat. Schmerzmittel zu spritzen, hilft nicht immer dagegen. Sicher ist nur: «Das alles ist extrem zermürbend.» Bedrückend ist für Jirasek auch, dass seine beiden Töchter dasselbe Krankheitsbild zeigen.

Die Erkrankung hat Auswirkungen auf alle Teile von Jiraseks Leben. Zwar bezieht er seit längerer Zeit eine halbe IV-Rente, die ihm nach eingehenden Abklärungen gesprochen wurde. Aber dafür hat er mit seiner Krankenkasse Probleme, die ihm die hohen Behandlungskosten nicht mehr erstatten will. Vor einiger Zeit sah er sich auch nicht mehr imstande, sein Geschäft weiterzuführen. Seine Angestellten musste er entlassen, und er löste die Firma auf. Auch für Jiraseks Privatleben hat die Erkrankung Folgen. Er braucht Ruhepausen und muss abends sehr früh ins Bett. Es liegt auf der Hand, dass seine sozialen Kontakte darunter leiden. Hat er das alles nicht manchmal satt? «Nein. Ich bin einfach da. Selbstmord zu begehen, wäre feige. Ich habe mich daran gewöhnt und versuche, das Beste daraus zu machen.» Jirasek klingt überzeugend.

Verdiente Mittagspause

10.30 Uhr. Die Freistunde ist vorbei. Die nächste Klasse wartet auf Georg Jirasek. 10 Jungen, fast alle Secondos. Sie machen sich mit Feuereifer ans Aussägen, Schleifen, Leimen. Die meisten haben sich entschieden, Pistolen aus Holz zu fertigen, doch einer feilt an einem Banjo, und ein anderer entwirft ein Motorboot. Mit der Konzentration der Pistolenbauer ist es heute schlecht bestellt. Sie verlieren die Lust, werden unruhig, hängen herum. Doch Jirasek versucht mit Engelsgeduld, sie zu motivieren. Er will ihr Vorstellungs- und Durchhaltevermögen entwickeln. Und er will ihnen beibringen, warum man etwas macht, denn das kommt – so Jirasek – heute häufig zu kurz.

12.00 Uhr. Endlich Mittagspause. Jirasek fährt nach Hause. Nach dem Mittagessen gönnt er sich eine Stunde nötigen Schlaf.

Viele Aktivitäten

Heute hat Jirasek am Nachmittag ein gut bestücktes Programm vor sich. Als erstes geht er zu seiner Tochter, mit der er momentan gemeinsam die Wohnung seines verstorbenen Schwiegervaters umbaut. Anschliessend begibt er sich ausnahmsweise nochmals in die Schule. Er muss einen seiner Lehrerkollegen treffen, denn heute soll ein neues Gerät geliefert und eingerichtet werden.

Doch auch sonst wird es Jirasek in seiner Freizeit nie langweilig. Er brütet leidenschaftlich über neuen Erfindungen, die manchmal schubladisiert, manchmal aber auch realisiert werden. In der Schublade gelandet ist die Erfindung eines giftfreien Mittels gegen Holzwürmer, weil die Patentgebühren zu hoch waren. Nicht gebaut wurde die «Treppe, die keine ist», mit Stufen, die sich einklappen. Gebaut aber wurde das eiserne Treppengeländer in Form eines «Döschwo», für einen Kollegen, der Fan dieser Citroëns 2CV ist. Und hergestellt hat Jirasek auch das runde Schachbrett, mit dem es viel schwieriger zu spielen ist als mit dem quadratischen. Nicht zu vergessen die symbolträchtige Holzskulptur des «Denkers», bestückt mit den Markenzeichen von Apple und Windows, der auf einem Bücherstapel in der Eingangshalle des Oberstufenzentrums Ittigen thront. Jirasek ist ein kreativer Geist, den Schmerzen zum Trotz. Und er sagt: «Mein Hirn läuft rund um die Uhr.»

21.00 Uhr. Zeit, das Hirn trotzdem für ein paar Stunden auszuschalten. Und darauf zu hoffen, am nächsten Morgen ohne Migräneattacke aufzuwachen. Gute Nacht, Georg Jirasek, dobrou noc!

Suzanne Auer
Zentralsekretärin, AGILE.CH