Infoblatt Arbeit

Für die berufliche Integration Behinderter!

Ein Infoblatt von AGILE.CH Die Organisationen von Menschen mit Behinderung

Was bedeutet «berufliche Integration»?

Behinderte sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise selber zu verdienen. Mit andern Worten: Sie brauchen Arbeitsplätze. Dies ist auch im Sinn der Invalidenversicherung (IV), «Eingliederung vor Rente!» lautet deren Leitidee.

Wie werden behinderte Menschen in der Berufsarbeit benachteiligt?

Noch immer sind beispielsweise zuwenig Arbeitgebende bereit, behinderte Menschen anzustellen, selbst wenn diese über die nötigen Voraussetzungen verfügen. Die Anreize für die Arbeitgeberseite, welche die 5. IV-Revision bringt, sind lediglich symbolischer Art. Noch immer wird längst nicht allen behinderten Jugendlichen, welche die nötigen Fähigkeiten hätten, eine richtige Berufslehre ermöglicht. Die IV ist bei der Unterstützung von Umschulungen sehr zurückhaltend, obwohl solche in der heutigen Arbeitswelt oft unerlässlich sind. Resultat: Zahlreichen Behinderten wird zugemutet, in Tieflohn-Berufen und unter schlechten Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Dies ohne Aussicht auf eine Veränderung. Viele Behinderte mit Teilzeitarbeit oder kleinem Verdienst haben keine Chance, in eine Pensionskasse einzutreten. Pensionskassen versichern Löhne erst ab einem relativ hohen Betrag.

Was wurde gegen diese Missstände getan?

Die IV-Stellen sind dazu übergegangen, immer mehr Rentengesuche abzulehnen, auch wenn keine geeignete Arbeitsstelle gefunden wird. Die 5. Revision gibt den IV-Stellen zwar mehr Mittel zur Kontrolle der Versicherten. Allerdings mangelt es am erforderlichen Personal für das Beschaffen oder Erhalten von Arbeitsplätzen in der Praxis. Die Anreize für die Arbeitgebenden genügen nicht, damit diese von sich aus Behinderte anstellen oder weiterbeschäftigen. Resultat: Menschen mit Behinderung ohne Arbeit und Rente müssen von der Sozialhilfe oder ihren Angehörigen unterstützt werden.

Was muss jetzt getan werden?

AGILE beobachtet die Umsetzung der 5. IV-Revision genau und deckt Ungerechtigkeiten auf u.a. mit dem Monitoring 5. IV-Revision der Behinderten-Selbsthilfe. AGILE wacht darüber, wie die IV-Stellen die Instrumente einsetzen, die sie mit der 5. Revision erhalten haben. AGILE nutzt jede Gelegenheit und fordert Weiterbeschäftigung oder Neuanstellung von Behinderten. AGILE setzt sich zudem für ein flexibleres IV-System ein. Ein solches ermöglicht einen unkomplizierten Wechsel zwischen bezahlter Arbeit und IV-Rente, weg von «Einmal Rente – immer Rente» und «Einmal Arbeit – nie mehr Rente»

Engagement von AGILE.CH in Stichworten

  • Grundlagenarbeit Anreizsysteme, Tipps Bewerbungsverfahren von Behinderten, je für Arbeitgeber
  • Überwachen Umsetzung 5. IVG-Revision
  • Interessenvertretung in Gesetzgebungsprozessen bei Arbeitgebern und weiteren Verbänden

Wo stehen wir heute?

Die 5. IVG-Revision soll nicht nur die Anzahl Neu-RentnerInnen reduzieren, sondern in erster Linie dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt integriert werden. Dazu braucht es die Arbeitgebenden. Diese legen Wert auf Freiwilligkeit, was sich aber nicht auf mehr Arbeitsstellen für Menschen mit Behinderung auswirkt. Es fehlen offensichtlich Anreize, die dazu führen, dass Unternehmen Behinderte häufiger anstellen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die meisten Arbeitgebenden nicht genügend über den Umgang mit Behinderten informiert sind und auch nicht wissen, wo sie sich diese Informationen beschaffen können. Es sind daher gezielte Informationen notwendig.

Die 1. Revision des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge (BVG) hat zwar die Eintrittsschwelle heruntergesetzt, ab der ein Einkommen überhaupt versichert ist. Für Behinderte, die oft nur über ein kleines Einkommen verfügen, ist diese Schwelle aber immer noch viel zu hoch. Während der Vorbereitung der 1. BVG-Revision schlug AGILE eine angemessene Eintrittsschwelle vor in Höhe der einfachen minimalen AHV-Altersrente. Dieser Vorschlag ist noch immer nicht umgesetzt. Das BehiG klammert das Erwerbsleben beinahe vollständig aus. Die Behinderten und ihre Verbände wollen diese Lücke so rasch als möglich schliessen.

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