Es war einmal...

Am Waldrand hoppelt ein Hase einem Igel über den Weg. Die krummen Beine des Igels bringen den Hasen zum Lachen, was diesen erzürnt. Der Igel schlägt einen Wettlauf vor, den er prompt gewinnt. Wie kann das sein? Der Hase merkt nicht, dass er es mit zwei Kontrahenten zu tun hat: dem Herrn Igel und der Frau Igel, die am anderen Ende der Laufstrecke bereits wartet.

Nein, das ist nicht Nachteilsausgleich. Das ist zumindest Schlaumeierei, was das Ehepaar Igel da veranstaltet. Trotzdem zeigt das Märchen der Gebrüder Grimm, dass eine Partei - der Igel - gegenüber dem schnellen Hasen benachteiligt ist. Der Igel braucht einen Nachteilsausgleich, um dieselben Chancen auf den Sieg zu erhalten.

Chancengleichheit und der dafür notwendige Nachteilsausgleich sind immer wieder Anlass für Diskussionen. Wer nicht selbst behindert ist, kann sich nicht vorstellen, wozu es diesen braucht. So wurden im Kanton Aargau kürzlich neue Leistungschecks (Check S2 und Check S3) eingeführt. Ein möglicher Nachteilsausgleich war nicht mitgedacht. Für die Berufsbildung entwickelte das SDBB-CSFO den Bericht «Nachteilsausgleich für Menschen mit Behinderungen in der Berufsbildung». Auf wenigen Seiten wird beschrieben, wie der Nachteilsausgleich für verschiedene Arten von Behinderungen aussehen könnte.

Die neue Ausgabe von «Behinderung und Politik» ist schwerpunktmässig dem Thema Nachteilsausgleich in Bildung und Berufsbildung verpflichtet. Simone Leuenberger beleuchtet das Thema von der rechtlichen Seite und befasst sich kritisch mit dessen Umsetzung. Catherine Rouvenaz beschreibt die Situation in der Westschweiz. Ferner finden Sie in dieser Ausgabe wiederum eine sozialpolitische Rundschau von Ursula Schaffner und Catherine Rouvenaz. Ebenfalls aus Schaffners Feder stammt ein Ausblick auf die Finanzentwicklung der Invalidenversicherung. Zum Thema Gleichstellung beschreibt Tonia von Gunten in ihrer Kolumne Absurdes aus dem Behindertenalltag. Die offizielle Schweiz reichte beim Ausschuss über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ihren ersten Bericht über die Umsetzung der UNO-BRK ein. Ich habe eine Zusammenfassung versucht.

Wir alle wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre.

Stephan Hüsler
Präsident Agile