220 Jahre Engagement

105 Jahre Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband + 70 Jahre Schweizerischer Gehörlosenbund + 45 Jahre BANDAR Genossenschaft zur Integration Behinderter = 220 Jahre Engagement im Dienste von Menschen mit Behinderungen. Drei eindrückliche Bilanzen.

Blinde und sehbehinderte, hörbehinderte, körperlich, psychisch und geistig behinderte Menschen: Ihre Interessen sind bei den drei Jubilar-Organisationen in den besten Händen.

«Gemeinsam sehen wir mehr»

Nach zwei Jahren Vorbereitungsarbeit war es am 5. Juni 1911 so weit: Der Schweizerische Blindenverband (SBV), wie er damals noch hiess, erblickte in Lausanne das Licht der Welt. Ein zentrales Element der Tätigkeit war in den ersten Jahren die Beschaffung fester Arbeitsplätze für Blinde. Meist handelte es sich um Arbeit in Werkstätten öffentlicher Einrichtungen, wo die Betroffenen auch wohnten. Doch schon ab den 1920-er Jahren weitete der SBV seine Tätigkeitsfelder aus. So setzte er sich ein für die Sicherheit blinder Menschen im zunehmend hektischen Strassenverkehr. Und weil Menschen mit Sehbehinderung damals von den Krankenkassen nicht aufgenommen wurden, schuf der SBV eigene Kassen, die bis in die 1960-er Jahre Bestand hatten.

Jahrzehntelang war der SBV dezentral organisiert und verliess sich vorwiegend auf Ehrenamtliche. Weil aber die Mitgliederzahl stetig stieg und die Fragestellungen immer komplexer wurden, engagierte der Verband in den 1960-er Jahren die erste Generalsekretärin und einige Angestellte. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte sich der Dienstleistungskatalog laufend: Sozialberatung, Kurse, Erfahrungsaustausch, Treffpunkte sind nur einige wenige der zahlreichen Angebote. Heute setzt sich der SBV zudem für die politischen und rechtlichen Interessen der rund 325’000 blinden und sehbehinderten Menschen in der Schweiz ein. Und er leistet intensive Öffentlichkeitsarbeit, um ihre Bedürfnisse ins Bewusstsein zu rücken. Ganz nach seinem Motto: «Gemeinsam sehen wir mehr».

«Gleiche Rechte und Chancen für Menschen mit Hörbehinderung»

Als der Schweizerische Gehörlosenbund (SGB) 1946 gegründet wurde, war noch vieles anders: Gehörlose hiessen «Taubstumme». Und ausschliesslich hörende Fachleute bestimmten im Schweizerischen Verband für Taubstummenhilfe, dem der SGB damals beitrat, über das Schicksal gehörloser und hörbehinderter Menschen. Erst 1969 änderte sich das ein wenig, als zwei Gehörlose in den Vorstand des Verbands gewählt wurden. Es brauchte erneut mehr als ein Jahrzehnt, bis weitere Bewegung in die Szenerie kam. Die «Deaf Power»-Bewegung mit ihrem Slogan «Gehörlose können alles, ausser hören!» erreichte die Schweiz.

In dieser Zeit wurde auch der SGB politisch aktiver. Er setzte beim Schweizer Fernsehen die Untertitelung durch und baute den Teletext-Dienst «Lesen statt hören» auf. Weitere Etappen in der Gleichstellung von Menschen mit Hörbehinderung waren der Aufbau des Dolmetscherwesens und 1997 die Anerkennung der Gebärdensprache durch die damalige Bundesrätin Ruth Dreifuss. Der SGB hatte in diesen Jahren aber nicht nur mit Sachthemen zu kämpfen, sondern auch mit organisatorischen Problematiken. Er trat aus dem Schweizerischen Verband für das Gehörlosenwesen - heute Sonos - aus und gründete einen eigenständigen Verband der Gehörlosenselbsthilfe. 2006 führte er die drei regionalen Verbände der Deutschschweiz, der Romandie und des Tessins zum nationalen Dachverband SGB zusammen. Und er hat sich auf die Fahne geschrieben: «Gleiche Rechte und Chancen für Menschen mit Hörbehinderung».

«Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauen für alle Beteiligten!»

1971 ging BANDAR als selbständiges Sozialwerk der Behindertenhilfe aus der früheren Heimarbeits- und Verkaufsabteilung der Band-Genossenschaft hervor. Seither schafft sie Arbeitsplätze für Menschen mit körperlichen, psychischen und geistigen Behinderungen. Diese erhalten dadurch ein zusätzliches Einkommen und eine weitgehend individuell angepasste Tagesstruktur. BANDAR arbeitet selbsttragend und finanziert sich selbst.

Von der Haarbürste über das Küchentuch und das Solitär-Spiel bis zur Krabbeldecke produzieren die Mitarbeitenden von BANDAR eine Vielzahl von Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Und folgen dabei stets dem Motto: «Die BANDAR Kunden sichern und fördern die Arbeitsplätze von Behinderten. Das bedeutet: Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauen für alle Beteiligten!»

Suzanne Auer
Zentralsekretärin, AGILE.CH