Empfehlungen für hindernisfreie Hochschulen

AGILE hat Tipps und Empfehlungen entwickelt, wie der Zugang für Menschen mit Behinderung zu Schweizer Hochschulen verbessert werden kann. Denn: Die meisten Hochschulen sind für Studierende mit Behinderung nicht hindernisfrei. Dies hatte eine repräsentative Studie im Auftrag von AGILE 2011 aufgezeigt.

Wer das Potenzial zum Studieren hat, soll dieses Potenzial entfalten können – das gilt für Menschen ohne Behinderung. Das gilt auch für Menschen mit Behinderung. Der Zugang zu einem Studium sowie der Anspruch auf eine gleichberechtigte Teilnahme am Studienbetrieb für Behinderte sind in der Schweiz gesetzlich gewährleistet.

Eine Projektgruppe mit Betroffenen hat, unter der Leitung von AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz, zehn Empfehlungen entwickelt, die helfen Gleichstellungs-Strategien adäquat zu planen und umzusetzen. Die Empfehlungen sind eines der Resultate des vom Gleichstellungsrat Egalité Handicap initiierten und von AGILE getragenen Projekts «Zugang zu Hochschulen für Menschen mit Behinderung in der Schweiz; aktuelle Situation und Perspektiven». Das Projekt wird vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (EBGB) finanziell unterstützt.

Der erste Teil, die «Bestandesaufnahme hindernisfreie Hochschule» der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW im Auftrag von AGILE, hatte 2011 gezeigt: Bei der Umsetzung von Konzepten für eine hindernisfreie Hochschule besteht an den meisten Hochschulen grosser Handlungsbedarf. So wird etwa beim Begriff Behinderung vielfach in erster Linie an Mobilitätsbehinderung gedacht. Die Studie machte weiter deutlich, dass nicht explizit auch Menschen mit Behinderung gemeint sind, wenn in Hochschulen von Gleichstellung die Rede ist (siehe auch Medienmitteilung vom 4. Januar 2011).

Ein gleichberechtigter Zugang zu Hochschulen ist unerlässlich, um Menschen mit Behinderung die gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme zu garantieren.

Im letzten Projektteil, gegen Ende Jahr, werden umfassende weitere Informationen zu hindernisfreien Hochschulen, konkrete Beispiele zu best practices mit den heute veröffentlichten Empfehlungen auf einer neuen Website vereint und publiziert. Die Website richtet sich insbesondere an RektorInnen, Verwaltung und Lehrpersonen der Schweizer Hoch- und Fachhochschulen.

AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz setzt sich seit 60 Jahren für die Existenzsicherung von Menschen mit Behinderung ein. Der Dachverband vertritt die Interessen von rund 40 Behinderten-Organisationen. Diese repräsentieren Menschen aller Behinderungsgruppen und ihre Angehörigen.

Kontakt:        
AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz
Catherine Corbaz, Projektleitung
Effingerstrasse 55, 3008 Bern, Tel. 031 390 39 39, Mobile: 079 794 38 55
catherine.corbaz@agile.ch

AGILE – Medienmitteilung vom 31. Januar 2012

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So profilieren Sie sich als hindernisfreie Hochschule für Menschen mit Behinderung!

Tipps und Empfehlungen

Kluge Köpfe sollen ihr Potenzial entfalten und studieren – auch wenn sie mit einer Behinderung leben. Der Zugang zum sowie der Anspruch auf eine gleichberechtigte Teilnahme am Studienbetrieb ist in der Schweiz gesetzlich gewährleistet. Bei der Umsetzung von Konzepten für eine hindernisfreie Hochschule besteht an den meisten Hochschulen jedoch noch grosser Handlungsbedarf. Die vorliegenden Empfehlungen sollen helfen, eine entsprechende Strategie adäquat planen und umsetzen zu können.

Das Diskriminierungsverbot in der Schweizerischen Bundesverfassung (Artikel 8 Rechtsgleichheit) liefert die Grundlage für den Rechtsanspruch auf Zugang zu Aus- und Weiterbildung für Menschen mit Behinderung. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) bezweckt zudem Benachteiligungen zu verhindern, zu verringern oder zu beseitigen, denen Menschen mit Behinderungen ausgesetzt sind (Art. 1 Abs. 1 BehiG).

Der Begriff Behinderung in diesen Empfehlungen basiert auf der Definition gemäss Behindertengleichstellungsgesetz, nach der ein Mensch mit Behinderung (Behinderte, Behinderter) «eine Person [ist], der es eine voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verrichtungen vorzunehmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fortzubewegen, sich aus- und fortzubilden oder eine Erwerbstätigkeit auszuüben» (BehiG, Art. 2 Abs. 1).

Empfehlungen

1. Verständnis Behinderung

2. Verankern der Gleichstellungsthematik

3. Sensibilisierung zum Thema Behinderung und Gleichstellung

4. Gleichstellung und Diversity

5. Kompetenzstellen

6. Nachteilsausgleich

7. Massnahme für bauliche Zugänglichkeit und hindernisfrei Infrastrukturen

8. Zugängliche Website/digitaler Zugang

9. Externe Netzwerke

10. Empfehlungen auf nationaler Ebene