«Wichtig für uns waren Erfahrungen aus erster Hand»

Unter www.doodle.com organisieren Menschen weltweit Termine. Nun ist «Doodle» nach einem Input von AGILE und in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Egalité Handicap an die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten angepasst worden. Ein Interview mit «Doodle»-Erfinder Michael Näf:

Von Eva Aeschimann, Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit

agile: Ihr Online-Terminplaner ist ein Riesen-Erfolg. Letztes Jahr haben Sie auf Anregung von AGILE, die Zugänglichkeit für Blinde und Sehbehinderte verbessert. Warum sind Sie auf dieses Anliegen eingetreten?

Michael Näf: Unser Anspruch ist es, die Terminfindung für wirklich alle zu vereinfachen, unabhängig von technischen Rahmenbedingungen oder von der Internet-Erfahrung der User. Und wenn wir alle erreichen wollen, gehören dazu auch Blinde und Sehbehinderte, die das Internet nutzen. Das ist zwar nicht immer einfach, weil die Anforderungen teilweise sehr spezifisch sind, aber wir haben schon einiges verbessert und werden auch in Zukunft weiter an Verbesserungen arbeiten.

agile: Haben Sie dieses Anliegen als behindernd erlebt oder als befruchtend?

Michael Näf: Viele Anliegen von Blinden und Sehbehinderten laufen darauf hinaus, die einzelnen Seiten und Formulare einer Applikation klar aufzubauen, sauber zu gliedern und versteckte Attribute, mit denen Screen Reader und andere Hilfsmittel arbeiten, konsequent einzusetzen. Optimierungen dieser Art machen eine Applikation allgemein benutzerfreundlicher. Ausserdem ist es sehr beeindruckend zu erfahren, welche Werkzeuge Blinde und Sehbehinderte einsetzen und wie sie damit umgehen.

agile: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit der Fachstelle Egalité Handicap und allenfalls anderen Organisationen in diesem Prozess erlebt?

Michael Näf: Die Zusammenarbeit war unkompliziert und pragmatisch. Besonders gut fand ich, dass bei den Diskussionen jeweils eine blinde oder sehbehinderte Person hinzugezogen wurde, um Erfahrungen aus erster Hand zu erhalten.

agile: Sind Sie durch Ihr Engagement auf weitere Fragen zum Thema hindernisfreies Internet gestossen?

Michael Näf: «Doodle» wird ja sehr international benützt, und wir erhalten Rückmeldungen und Anregungen von der ganzen Welt. So hatten wir auch Kontakt mit Blinden und Sehbehinderten aus anderen Ländern wie Irland oder den USA. Auch ihre Wünsche sind bei uns in die Entwicklung eingeflossen.

agile: Was empfehlen Sie Unternehmen oder Organisationen, die Ihre Websites hindernisfrei gestalten möchten?

Michael Näf: Ein guter erster Schritt sind die frei verfügbaren Checklisten, zum Beispiel diejenige des World Wide Web Consortium unter dem Namen Web Accessibility Initiative (WAI, http://www.w3.org/WAI/). Dann können einschlägige Organisationen wie Egalité Handicap weitere Kontakte vermitteln, zum Beispiel zu betroffenen Usern oder zu Organisationen wie «Zugang für alle», die Reviews von Websites hinsichtlich deren Verbesserung für blinde und sehbehinderte User erstellen.

agile: Inzwischen sprechen Hunderttausende Ihre Termine auf «Doodle» ab. Planen Sie für 2010 weitere Neuerungen bei ihrem Online-Terminplaner?

Michael Näf: Es sind mittlerweile sogar Millionen, die «Doodle» nutzen. Gesamthaft sind es über 3 Millionen. Ende 2009 haben wir einige Neuerungen lanciert, zum Beispiel unsere Kalenderintegrationen, die iPhone App sowie Quick Reply, eine Erweiterung zu unseren Bezahldiensten, die das Terminfinden noch schneller macht. Für 2010 ist auch einiges geplant, lassen Sie sich überraschen!

agile: Besten Dank, Michael Näf, für dieses Interview.