Marcel Nuss, Gründungsmitglied des Collectif Handicap et Sexualité (Frankreich), engagiert sich in Frankreich seit langem für das Recht auf Sexualität von Menschen mit Behinderung. Auf seinem «Rollbett» äussert er sich begeistert zur neuen «Ecole romande», zwei der Diplomierten kommen sogar aus Frankreich. «Obwohl es in rechtlicher Hinsicht in Frankreich eine Öffnung gibt, wird die Ausbildung sicher in der Westschweiz stattfinden. Es gibt keinen Grund, eine neue Schule zu gründen, wenn sich die bestehende bewährt».
«Im Bereich der Ausbildung muss auf europäischer und nicht auf Ebene der einzelnen Länder gedacht werden. Die Romandie spielt unter den französisch- und lateinischsprachigen Regionen eine Vorreiterrolle. Wahrscheinlich ist dies darauf zurückzuführen, dass sie mehrheitlich protestantisch ist. Die katholische Kultur ist eher fatalistisch: ‚Man muss es hinnehmen’. Nicht ohne Grund dürfen Priester beispielsweise nicht heiraten.»
«Gegenwärtig versucht unser Collectif, die rechtlichen Probleme durch Engagement auf Ministerebene zu lösen. Die Schwierigkeit besteht darin, eine gesetzliche Lösung zu finden, um die SexualbegleiterInnen zu schützen, ohne gleichzeitig die Kuppelei zu legalisieren (deren Begriff in Frankreich sehr breit ausgelegt wird, um die SexarbeiterInnen möglichst gut zu schützen, AdR). Im Mai haben wir eine interministerielle Delegation getroffen. Auf Seiten des Staates gibt es eine Öffnung. Deshalb habe ich mir zum Ziel gesetzt, dass bis 2010 eine Lösung umgesetzt werden kann.»
«agile» wird in der nächsten Ausgabe auf das Thema der Sexualität von Menschen mit Behinderung und der Sexualassistenz zurückkommen.
Interview von Cyril Mizrahi
Übersetzung: Susanne Alpiger
Suche