«Wir möchten möglichst nahe am ersten Arbeitsmarkt agieren»

Andreas Tereh ist Leiter Integration bei der Basler Sozialfirma «b2 baupunkt genossenschaft». Ein Traumjob, der Kampfgeist voraussetzt, aber nach Einschätzung des Stadtbaslers auch Herz, Kopf und Bauch in Einklang bringt.

Eva Aeschimann, Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit bei AGILE

Einer der ersten milden Frühlingstage lässt ein Gespräch mit Andreas Tereh auf der Terrasse des Restaurants Viertel-Kreis im Basler «Gundeli»-Quartier zu. Die Quartierbeiz – als Sozialfirma – ist die jüngste Erweiterung des Angebots an sozialen Arbeitsplätzen der «b2 baupunkt genossenschaft». Es sind soziale Arbeitsplätze möglichst nahe am ersten Arbeitsmarkt in Bereichen wie Bau und Renovation, Recycling, Räumungen, Entsorgungen, Garten- und Gebäudeunterhalt.

Aktiver Beitrag zu beruflicher und sozialer Integration

Sein Job sei der tollste, den er je gehabt habe, aber auch der bislang anstrengendste, sagt der Soziologe Andreas Tereh: «Es ist ein dauernder Kampf um jeden Rappen. Ein Kampf für unsere Mitarbeitenden. Das ist einerseits belastend, andererseits Ansporn». Die Sozialfirma «b2 baupunkt genossenschaft» existiert seit 2005. Im Vordergrund steht die arbeitsmarktliche Integration erwerbsloser Menschen. Einige Mitarbeitende kommen aus dem Suchtbereich, andere leben beispielsweise mit einer psychischen Behinderung «oder hatten einfach Pech», erzählt Tereh. Hinter dem Engagement der «b2» steht die Philosophie, dass jeder Mensch Fähigkeiten und Potenzial hat, die er in geeignetem Umfeld einbringen und entwickeln kann.

Berufliche Integration sei erfahrungsgemäss ein aktiver Beitrag zu sozialer Integration, weiss der 38-Jährige. Echte Arbeitsintegration heisse, die Leute auf alle Beschaffenheiten des ersten Arbeitsmarkts vorzubereiten. Dazu gehöre ein gewisser Leistungsdruck. Eine Sozialfirma sei keine geschützte Werkstatt: «Wir nennen unsere Arbeitsplätze gestützte Arbeitsplätze, wo nach Möglichkeit leistungsgerechte (Teil-) Löhne bezahlt werden. Und wir möchten möglichst nahe am ersten Arbeitsmarkt agieren», sagt Tereh. Ein weiteres Ziel der Sozialfirma sei eine Loslösung der Mitarbeitenden von der Unterstützung der öffentlichen Hand.

Dauernder Balanceakt

Um überleben zu können, setzt die «b2» auf ihre starke Vernetzung mit dem lokalen Gewerbe und der Wirtschaft. Es brauche aber auch vernetztes Denken im Kontakt mit den Sozialdiensten der Stadt Basel und den umliegenden Gemeinden, beispielsweise um Finanzierungsmodelle zu finden. «Obwohl erfolgreich, ist unser Modell noch immer neu. Die Konkurrenz unter den Mitbewerbern in der sogenannten ‹Beschäftigungsindustrie› ist gross, die Akzeptanz der Sozialfirmen nicht durchwegs vorhanden. Dementsprechend setzen wir uns unter Druck», sagt Andreas Tereh. Ende Monat müssten einerseits die Löhne der Mitarbeitenden bezahlt sein, andererseits gelte es, das Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren, diese Menschen zu unterstützen – ein dauernder Balanceakt einer Sozialfirma.