Auf der Menükarte der Crêperie Sucrésalé steht Integration

Stellen Sie sich ein hübsches Ambiente vor, zum Beispiel eine gepflasterte Fussgängerzone in einem historischen Quartier. Geben Sie ein gefälliges Lokal hinzu mit einer High-Tech-Macchiato-Maschine und einer Riesenauswahl an Crêpes, mischen Sie das Ganze und servieren Sie es mit einem Lächeln oder einer Tasse Tee. Das ist das Rezept der Crêperie Sucrésalé in Freiburg. Mit Gaston im Service.

Von Mélanie Sauvain, Secrétaire romande von AGILE

Auf den ersten Blick ist es ein Lokal wie jedes andere mit gewöhnlichen Mitarbeitern. Die Crêperie hat ihre Türen zwar erst seit Anfang April geöffnet, besitzt aber trotzdem schon eine eigene Geschichte. Eine positive Geschichte der Integration: Das Lokal beschäftigt Menschen mit einer psychischen Behinderung. Diese sollen im Erwerbsleben wieder Fuss fassen oder ihre Berufserfahrung verbessern können.

Wie ein Fisch im Wasser

Gaston – 31-jährig und unschlagbar in seinem historischen Wissen über Freiburg – ist einer dieser Angestellten. Rasant erzählt er, wie er in diesem Restaurant gelandet ist. Wegen einer psychischen Erkrankung wurde er im Alter von 16 Jahren hospitalisiert, als er sich auf den Eintritt ins Gymnasium vorbereitete. Auf die Erfüllung seines Berufsziels Toningenieur musste er verzichten. Als Bezüger einer IV-Rente machte er im Alter von 24 Jahren verschiedene Praktika im Service. Die Arbeit gefiel ihm, er hatte seinen Weg gefunden.

Da er nicht zu 100 % arbeiten konnte, hatten viele Arbeitgeber Zweifel. Viel zu oft wurde er als Tellerwäscher eingesetzt, obwohl ihn der Service interessierte. Seit er bei «Sucrésalé» arbeitet, fühlt er sich wie ein Fisch im Wasser. Er arbeitet 5 Stunden pro Tag (im Mittags- oder Abendservice), 4 Tage pro Woche. Von den 14 Tischen der Crêperie bedient er 3. Zur Seite stehen ihm ein Ausbilder oder eine Ausbilderin. Das Konzept der Crêperie besteht darin, einen Rahmen für eine soziale und berufliche Wiedereingliederung zu bieten.

Wiedereingliederung: vielleicht

Gaston sieht seine Stelle noch nicht als Brücke zum ersten Arbeitsmarkt. «Ich bin mir meiner Leistungsgrenzen bewusst. Stress vertrage ich schlecht», erklärt er. «Vielleicht kann ich in zwei Jahren zu 50 % arbeiten und nur noch eine halbe IV-Rente beziehen», sagt er. Aber das ist Zukunftsmusik. Vorerst ist er nach seinem Dienst jeweils «etwas müde». Schrittweise mehr Ausdauer zu erlangen, ist denn auch eines der Ziele, welche die Initianten des Projekts – darunter die Freiburger «Fondation Saint-Louis» und verschiedene andere soziale Akteure - erreichen wollen. Prioritär ist die Aufwertung der betroffenen Personen: Verantwortung übertragen, um das Selbstvertrauen zu stärken.

Ein Ziel ist auch finanzielle Unabhängigkeit. Die IV entrichtet für jede beschäftigte Person mit Behinderung einen Beitrag. Damit kann die Differenz zwischen den im Gastgewerbe üblichen Löhnen und jenen von speziellen Ausbildern finanziert werden. Gegenwärtig beschäftigt «Sucrésalé» sechs IV-RentnerInnen.

Übersetzung: Susanne Alpiger