Interesse an der Politik eint die Klasse

Von den TeilnehmerInnen der Weiterbildung «Politische Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung»

Die Weiterbildung läuft nun schon drei Monate. Während dieser Zeit hat sich eine engagierte, aktive Klasse gebildet. Einerseits lesen wir Texte und lösen gestellte Aufgaben. Andererseits diskutieren wir in verschiedenen Foren aktuelle Themen: zum Beispiel die IV-Plakatkampagne des BSV. Nach dem Abstimmungsresultat der Minarettinitiative haben wir uns gefragt, wie es um die Stimmung in der Schweiz gegenüber Minderheiten steht. Aber auch die IV-Revision 6a haben wir andiskutiert.

Wir werden fündig

Das Interesse an der Politik eint unsere Klasse. Wir erwarten, dass die Weiterbildung unser Selbstbewusstsein stärkt, sich politisch zu engagieren und mit möglichst wenig Aufwand Resultate zu erreichen. Viele von uns machen ihre ersten Schritte in diese Richtung. Es ist eine Herausforderung, den Blickwinkel zu wechseln und den Fehler nicht bei sich selbst zu suchen, wie wir es uns oft gewohnt sind. Wenn ein Rollstuhl nicht in ein Tram passt, ist das der Fehler der Tram-EntwicklerInnen und der Menschen, die ein solches Tram kaufen. Es ist ein soziales und gesellschaftliches Problem, wenn strukturell ganze Menschengruppen in ihrer Mobilität eingeschränkt werden.

Das sachliche Sich-Auseinandersetzen mit einer Materie, das vielleicht bis anhin nur auf emotionaler Ebene stattfand, öffnet den Horizont in allen Bereichen: Eine persönliche Auseinandersetzung des Denkens und der Betrachtungsweisen.

Es ist ein Genuss, über den eigenen Tellerrand zu gucken.

Vom eigenen Computer in die ganze Welt

Mit dem E-Learning wurde eine Lernmethode ausgewählt, die uns wichtige Vorteile bringt: Die Aufgaben am PC können alle auf ihre besten Zeiten legen, die Erwerbstätigen können sie am Abend oder am Wochenende erledigen. Das Schreiben von Texten verlangt keine sofortige Reaktion, wie es im Gespräch nötig ist. Auch zwei Tage nach der Diskussion kann ein neuer Beitrag in ein Forum gesetzt werden.

Ein weiterer Aspekt ist der Arbeitsplatz: in der vertrauten Umgebung sind alle nötigen Geräte vorhanden, ohne Papier müssen keine Ordner geschleppt werden. Wer üblicherweise seine Wohnung selten verlässt, ist von der Teilnahme nicht ausgeschlossen.

Als Nachteil empfinden wir, dass die erste persönliche Begegnung erst nach einem halben Jahr stattfindet. Einige denken, durch eine frühere Begegnung würde die Diskussion in den Foren einfacher. Es ist in der Tat schwierig, sich an die Beiträge der Vorstellungsrunde zu erinnern und immer zu wissen, wie Texte gemeint sind: Oft schreiben wir vom Selben aber nicht vom Gleichen. Oder vom Gleichen aber nicht vom Selben?

Aufgestellte Truppe

Die Teilnehmenden der Weiterbildung kommen aus ganz verschiedenen Lebenssituationen. So wird das Wissen automatisch rasch vervielfältigt, ein «Kurs» im Kennenlernen von anderen Behinderungen läuft stets mit. Es ist aber auch hilfreich, sich in anderen Teilnehmenden wiederzuerkennen, Verständnis zu haben und an Grenzen zu stossen. Nicht zu unterschätzen ist, dass die Beschäftigung mit dem Thema «Behinderung» gerade für behinderte Menschen Kraft kostet und eine Grundstabilität voraussetzt.

Die Vernetzung ist vielen wichtig. Es ist gut zu wissen, dass wir mit unseren Themen nicht alleine sind. Mit Links aus dem Netz, die von Wissenden in die Foren gestellt werden, macht eine weitere Vernetzung zumindest virtuell möglich.

Afrikanisches Palaver

In den Foren wird diskutiert. Täglich gibt es neue Beiträge. Manche Themen werden intensiver bearbeitet und andere bleiben rasch liegen. Ohne Gedankenanstoss läuft nichts. Darum ist es uns wichtig, wie unsere Klasse zusammengesetzt ist. Auch die Impulse durch den Lehrstoff bieten uns Gelegenheit, uns auszutauschen.

Durch einen einstündigen Chat mit Peter Wehrli wurden ein langes Forum ausgelöst und Zusammenhänge aufgedeckt.

Foren sind eine Chance für uns Menschen, die in ihrem Leben oft dankbar sein mussten oder müssen. Eine Gelegenheit, eine eigene Meinung zu vertreten und zu spüren, wie es ist, wenn andere Menschen diese nicht teilen. Eine bessere Vorbereitung auf politische Aktivitäten ist kaum denkbar.

Wir sind froh, dass AGILE diese Weiterbildung anbietet. Wir sind interessiert und motiviert. Wir hoffen natürlich, das Gelernte während und nach dem Kurs umsetzen zu können.