Dreizehn der siebzehn TeilnehmerInnen der Weiterbildung «Politische Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung» haben sich am 13. März in Olten getroffen. Ziel war es, sich kennen zu lernen und der Weiterbildungsgruppe die eigenen Projekte vorzustellen. Der Tag war intensiv, interessant und voller Emotionen.
Von Catherine Corbaz, Bereichsleiterin Bildung
Seit Beginn der Weiterbildung (Ende November) verbrachten die TeilnehmerInnen jede Woche mehrere Stunden – oder noch länger – auf der Weiterbildungsplattform. Sie haben Texte und Theorie gelesen, Aufgaben gelöst und Stellungnahmen verfasst; sie haben die Beiträge der übrigen TeilnehmerInnen in den Diskussionsforen verfolgt (vgl. agile 1/2010, 3/2009). All dies nur mit Hilfe von Tastatur und Bildschirm ihrer Computer. Bis zum 13. März kannten sich die TeilnehmerInnen nur virtuell. An diesem Tag aber trafen sie sich persönlich in den Räumen der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten.
Bei der Begrüssung der TeilnehmerInnen war ich sehr bewegt, da das Projekt noch vor einem Jahr nur auf dem Papier bestanden hatte. Ich war gerührt und dankbar zu sehen, dass 13 Personen einen Weg gefunden hatten, um am Treffen teilzunehmen. Einige davon mussten dafür in aller Herrgottsfrühe aufstehen. Eine vierzehnte Person war via Skype anwesend.
Im Rahmen der Weiterbildung müssen alle TeilnehmerInnen ein Projekt erarbeiten und umsetzen, um einen Bezug zu den vermittelten Inhalten herzustellen. An diesem Treffen stellten alle ihre Projekte vor und erhielten von den übrigen TeilnehmerInnen ein Feedback. Trotz der unterschiedlichen Biografien und Behinderungen hatten alle Projekte das gemeinsame Ziel, Gleichstellung zu stärken, obwohl dies nicht ausdrücklich erwähnt wurde.
Die Projekte können in folgende Themenbereiche gegliedert werden:
Einige Projekte waren natürlich weiter fortgeschritten als andere. Während ich diese Zeilen verfasse, haben sich einige davon auch schon wieder verändert.
Die Weiterbildung soll Menschen mit Behinderung die Möglichkeit bieten, sich ihren verschiedenen Bedürfnissen entsprechend politisch weiterzubilden. Das E-Learning schien dafür ein geeignetes Instrument zu sein.
Schon zu Beginn der Weiterbildung hatten die meisten TeilnehmerInnen den Wunsch, sich persönlich zu treffen, da der Austausch via Bildschirm nicht hundertprozentig zufriedenstellend war. Eine Teilnehmerin kann wegen ihrer Behinderung aber ihr Haus nicht verlassen. Um ihr ebenfalls eine Art persönliches Treffen zu ermöglichen, wurde das Internet-Angebot Skype (www.skype.com) verwendet, das Gehörlosen und Menschen mit Angehörigen im Ausland gut bekannt ist. Dank dieser relativ einfachen Alternative, die jedoch einige Anpassungen voraussetzte, konnte diese Teilnehmerin mit der Gruppe in Olten visuell und sprachlich kommunizieren. Sie konnte ihre Projektideen vorstellen, beschreiben und Feedback geben. Ich persönlich hatte den Eindruck, dass sie wie die anderen anwesend war und es schliesslich keine «Behinderung» war, mit ihr via Bild und Mikrofon zu kommunizieren. Ein erster Schritt, um bestimmte unsichtbare Behinderungen sichtbar zu machen.
Woran dachte ich, als ich die Ausführungen zu den einzelnen Projekten und den gemachten Erfahrungen hörte? Hier einige Gedanken:
«Respekt für diese Personen, sie wollen über ihre Behinderung hinaus die Welt, ihre Umwelt verändern. Respekt für sie, die in einer Institution leben und nun endlich ihre Bedürfnisse äussern und sich Gehör verschaffen können»
«Bewunderung für jene, die sich gegen Ungerechtigkeiten und Schikanen zur Wehr setzen und sich nicht entmutigen lassen»
«Ich lerne und entdecke immer noch. Erfahrungsberichte von Menschen mit Behinderung sind immer eine neue Entdeckung, eine Lehre»
«Traum: im Raum gibt es sehr viele Kompetenzen, Potenzial für die Zukunft, für eine bessere Welt»
Für mich war dieses Treffen einer meiner ersten Kontakte mit der Weiterbildungsgruppe. Es hat mein anfängliches Bauchgefühl, das ich hatte, als AGILE sich für das E-Learning-Angebot entschied, in Überzeugung verwandelt:
Zum Abschluss möchte ich einige Aussagen anführen, welche die TeilnehmerInnen in der Schlussrunde gemacht hatten: «Unglaublich, alle diese vorgestellten Projekte», «jetzt können wir andere Gefühle assoziieren, wenn wir unsere Texte in den Diskussionsforen verfassen und lesen», «die Fotos der Personen (auf der Website verfügbar, Anmerkung der Autorin) entsprechen nun den Charakteren, die wir kennen gelernt haben», «der Austausch von Angesicht zu Angesicht tut gut», «das Treffen war anstrengend», «es war schön, den Enthusiasmus zu spüren».
Fortsetzung folgt!
Übersetzung: Susanne Alpiger
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