Die blinde Maria-Rita Oddo arbeitet in der Administration des Sozialunternehmens «blindekuh» in Zürich. Ein Full-Time-Job im ersten Arbeitsmarkt, der Befriedigung bringt.
Von Eva Aeschimann, Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit
Bereits mit Ihrem Auftritt am Telefon macht Maria-Rita Oddo Werbung für die «blindekuh». Die helle Stimme der kaufmännischen Angestellten wirkt sympathisch, die Reservation ist unkompliziert. Oddo arbeitet hauptsächlich in der Administration des weltweit ersten Unternehmens, das einen Bar- oder Restaurantbesuch, Kulturanlässe und Bildungsveranstaltungen in absoluter Dunkelheit anbietet. Ab und zu springt sie auch im Service des Dunkelrestaurants ein oder übernimmt die Künstlerbetreuung bei kulturellen Anlässen.
Die meisten der Mitarbeitenden im Sozialunternehmen «blindekuh» sind wie Maria-Rita Oddo blind oder sehbehindert. Trägerin des Unternehmens mit Dunkelrestaurants in Zürich und Basel ist die Stiftung «Blind-Liecht». Die Stiftung bezweckt zum einen die Entwicklung von Projekten, die das gegenseitige Verständnis zwischen sehenden und blinden Menschen fördern. Zum anderen setzt sich die Stiftung zum Ziel, Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Menschen zu schaffen und zwar im ersten Arbeitsmarkt.
Maria Rita Oddo ist eine Frohnatur, sie managt die Administration der «blindekuh»-Standorte Zürich und Basel routiniert, mit Elan und Engagement. Seit neun Jahren ist sie Telefonistin, bearbeitet Korrespondenz per Mail und Reservationsanfragen, schreibt Sitzungsprotokolle, macht Arbeiten für die Stiftung und teilweise die Lohnadministration; sie hat aber auch stets ein offenes Ohr für die Mitarbeitenden des Unternehmens. Die heute 34-Jährige ist seit ihrem 16. Lebensjahr blind, als Folge einer Autoimmunkrankheit. Maria-Rita Oddo ist sprichwörtlich die «gute Seele» des Betriebs. Die Zürcherin ist kontaktfreudig, genau so wie ihr Labrador-Retriever Wargo, der auch im Büro nicht von ihrer Seite weicht und Oddo als Führhund durch den Alltag begleitet.
Für Maria-Rita Oddo ist die «blindekuh» eine Erfolgsgeschichte, ein «Sechser im Lotto», wie sie selbst sagt, die auch schon in einem Notariatsbüro und einer Marketingfirma gearbeitet hat. Ihr Arbeitsplatz ist so gestaltet, dass sie als Sekretärin alle ihre Qualitäten ausspielen kann. «Besonders schätze ich, dass ich mich hier nicht als fähig beweisen muss, und dass meine Behinderung sogar einen speziellen Stellenwert erhält in einer Unternehmung, die im ersten Arbeitsmarkt auftritt». Denn die «blindekuh» sei keine geschützte Werkstatt, hält Oddo mit Nachdruck fest. Und auch, dass sie voll berufstätig sei und keine IV-Rente beziehe. Nach elf Jahren ist die «blindekuh» Zürich selbsttragend und besitzt einen guten Namen gerade auch als Arbeitgeberin in der Gastronomie: «Wir zahlen gute Löhne», betont Maria-Rita Oddo.
Suche