«agile» zeigt in einer Serie zum Jubiläum des Behinderten-Gleichstellungsgesetzes (BehiG) Verbesserungen («Tops») und Mängel («Flops») auf im Bereich Gleichstellung in den letzten fünf Jahren. Es zeigt sich: Für Menschen mit einer psychischen Behinderung hat sich nichts verändert.
Von Françoise Steiner, Mitglied Gleichstellungsrat Égalité Handicap
Seit dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes hat sich für mich nichts verändert. So kann ich weder von Tops noch von Flops berichten. Das gilt wahrscheinlich auch für die übrigen Menschen mit einer psychischen Behinderung.
Seit fünf Jahren erhalte ich aufgrund meiner Krankheit (Depression) eine halbe IV-Rente. Das bedeutet, dass ich theoretisch in der Lage bin, zu 50% einem Erwerb nachzugehen. Aber trotz über hundert Stellenbewerbungen habe ich keine Arbeit gefunden. Welcher Arbeitgeber möchte schon jemanden einstellen, der eine halbe IV-Rente bezieht wegen einer psychischen Krankheit?
Ich kenne keinen. Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich die Situation noch verschlechtert. Eine halbe IV-Rente ist ein Stigma, das an einem klebt bei der Arbeitssuche.
Ich habe deshalb alle Bemühungen, eine Stelle zu finden, aufgegeben.
Alle meine Freundinnen und Freunde sind erwerbstätig. Das bedeutet, dass sie häufig sehr beschäftigt sind und ich sie nur selten sehe. Die Einsamkeit ist zu meiner Begleiterin geworden. Eine nicht immer angenehme Begleiterin, die einem viel zu viel Zeit zum Nachdenken lässt. Natürlich kann das manchmal positiv sein. Wenn es einem jedoch nicht gut geht, dann gute Nacht!
Mit einer psychischen Behinderung ist das Leben schwierig, und man spricht nur sehr wenig davon. Was kann man im Bereich der Gleichstellung tun? Man kann weder Rampen noch geeignete Wohnungen bauen.
Das beste Heilmittel für viele Menschen mit einer psychischen Behinderung wäre berufliche Integration. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es ein Gesetz bräuchte, das die Arbeitgebenden verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz von Menschen mit Behinderung anzustellen. Dann könnte man anfangen, von Gleichstellung zu sprechen.
Übersetzung: Susanne Alpiger
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